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Same Same But Different

Eine fast unmögliche Liebe -

Neu im Kino

Freitag - 29. Januar 2010 - 20:13

Seit langer Zeit widmet sich erstmals ein deutscher Kinofilm wieder einer echten Liebesgeschichte. Die Bindung zwischen Ben (David Kross) und Sreykeo (Apinya Sakuljaroensuk) steht vollständig im Mittelpunkt dieses Films. Und indem diese Beziehung trotz aller Gefährdungen insgesamt loyal geführt wird, ist das schon einmal ein gutes Signal. Hinzu kommt die lebensgefährliche Krankheit der Protagonistin als empathiefördernde Benachteiligung; indem hier Ben echtes commitment an den Tag legt und er uneigennützige Beiträge leistet, ist dies ein starkes Signal für eine positive Publikumsresonanz.

Der Trailer zu SAME SAME BUT DIFFERENT:



Die fast unmögliche Liebe zwischen Ben und Sreykeo kommt also zu einem “guten” Ende. Allerdings kommt hier der letzten Titeleinblendung ganz großes Gewicht zu. Denn ohne den Nachsatz, der uns informiert, dass die “echten” Ben und Sreykeo heute noch zusammen leben, gesund sind und ein Kind haben, wäre der Ausgang des Films sicherlich deutlich enttäuschender.

Denn trotz der großen Loyalität von Ben bleibt hinter dieser Liebe doch immer ein großes Fragezeichen. Es wird durchs Geld akzentuiert. Geld ist nur selten ein Transportmittel für emotionale Qualitäten. So auch hier. Indem Ben immer wieder Geld schicken muss (und teilweise zusieht, wie die Mutter seiner Geliebten die Geldscheine verzockt), kommt beständig ein unangenehmer Beigeschmack mit ins Spiel.Man kann sich nie ganz sicher sein, ob Sreykeo ihre Gefühle wirklich aufrichtig meint, oder ob sie ihren deutschen Lover nur benutzt und ausnützt. Allerdings birgt genau dieser beständige verstörende Effekt auch wieder eine gewisse Spannung.

Man hätte mit diesem Dilemma ungleich emotionaler umgehen können, wenn der Austausch mehr betont worden wäre. Aber eigentlich bleibt man als Zuschauer vom eigentlichen Geben und Nehmen dieser Beziehung ausgesperrt. Man kann nicht erkennen, auf welcher Ebene sich Ben und Sreykeo so gut verstehen. Worin liegen ihre Gemeinsamkeiten?! Was fasziniert ihn an ihr mehr als z.B. den deutschen Frauen, die sich ihm z.T. recht eindeutig anbieten? Hier bleibt eine große Leerstelle, die es immer wieder schwer macht, echt einzusteigen. Man muss es eben unhinterfragt glauben und hinnehmen, dass hier die Liebe in ihrem wahllosen Spiel ausgerechnet zwei ganz ungleiche Partner zusammen gefügt hat.

Zu den Pluspunkten gehört wiederum, dass Ben sich ohne Vorurteile voll auf die z.T. bizarren Welten des Kambodschanischen Familienlebens einlässt. Er ist tatsächlich neugierig und loyal genug, sich der fremden Kultur seiner Geliebten wirklich auszuliefern. Anders als unlängst in “Dr.Aleman” ist hier der Blick nicht kolonialistisch von oben herab, sondern fast demütig.

Einen Dämpfer erhält die Story dadurch, dass Ben die großzügige Hilfe seines Bruders sehr selbstherrlich ausschlägt und sich ganz einfach davonstiehlt, also illoyal handelt.

Dennoch steuert der Film auf einen schönen Climax zu, indem Sreykeo am Ende vor einer versammelten Mannschaft schwer reicher Europäer sich zu ihrer Krankheit und Herkunft bekennt, und Ben zu ihr steht. Diese Szene verleiht dem leicht plätschernden letzten Akt nochmals Spannung, fährt aber eben wieder zu einem Ende, bei dem einige Fragezeichen im Raum stehen bleiben.

MARKTPROGNOSEN:

Ingesamt geht von “Same same but different” (nebenbei ein Titel, der sich nie erklärt…) durch die vorherrschende Loyalität teilweise durchaus spürbare positive Energie aus. Sie wird allerdings beständig dadurch behindert, dass der Verdacht der Einseitigkeit im Raum steht. Leider fehlt es weitgehend an Austausch, sodass die Liebe behauptet bleibt, sich aber nur selten wirklich entfaltet.

Die Umsetzung des Films ist bemerkenswert dicht und eigenständig; die Presse reagiert freundlich; und die zumindest eingeschränkt positive emotionale Qualität sorgt mindestens dafür, dass der Film die Interessenten nicht abstößt oder enttäuscht. Ein großer Zulauf ist im Laufe der Auswertung aber auch nicht zu erwarten. Wenn man den letzten “erwachsenen” Film von Detlev Buck, “Knallhart” mit ca. 160.000 Zuschauern zum Maßstab nimmt, könnte “Same same but different” etwas darüber liegen, also bestenfalls die 200.000 Zuschauer-Marke erreichen oder knapp überschreiten.

Roland Zag



SAME SAME BUT DIFFERENT
Deutschland 2009
Laufzeit: 106 Minuten

Buch: Ruth Thoma nach Benjamin Prüfer
Regie: Detlev Buck
Drehbuch: Ruth Toma, Michael Ostrowski, Detlev Buck
Produktion: Claus Boje
Darsteller: Apinya Sakuljaroensuk, David Kross, Stefan Konarske, Jens Harzer, Michael Ostrowski
Kamera: Jana Marsik
Musik: Konstantin Gropper
Schnitt: Dirk Grau

Anmerkung zu dieser Besprechung:

"Der Publikumsvertrag. Emotionales Drehbuchschreiben mit 'the human factor'" von Roland Zag - Erscheinungsdatum: September 2005, sowie auf der Website the-human-factor.de
Im Zentrum des Interesses steht die Analyse der zwischenmenschlichen Verhältnisse - Es handelt sich bei unseren Besprechungen NICHT um Filmkritiken.

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>> Offizielle Website
>> Roland Zag: Der Publikumsvertrag



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